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Platzangst

Platzangst – Wenn die Fahrt mit Fahrstuhl oder Bahn zum Horrortrip wird

Schwere Einkaufstaschen oder viel Reisegepäck müssen irgendwie in den zehnten Stock eines Hochhauses kommen. Wie gut, dass es den Fahrstuhl gibt, denn er ist eine große Hilfe beim Transportieren und auch der Mensch kann sich während der Fahrt ein wenig ausruhen und muss nicht die unzähligen Stufen hochlaufen. Für die meisten Menschen ist der Lift ein Segen, doch es gibt auch Leute, denen allein schon der Anblick eines Fahrstuhls in Angst und Schrecken versetzt. Wer unter Klaustrophobie leidet, fühlt sich in engen Räumen wie Fahrstühlen, vollbesetzten U-Bahnen oder auf der Sonnenbank äußerst unwohl. Glücklicherweise kann diesen Menschen mit einer guten Therapie geholfen werden, ihre Platzangst zu überwinden.

Was ist Platzangst?

Bei der Platzangst handelt es sich um eine Angststörung, bei der die Angst vor engen und geschlossenen Räumen die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. Manche Patienten fühlen sich auch in großen, überfüllten Räumen, in denen Menschen dicht an dicht stehen, nicht wohl und bekommen hier Platzangst. Auch Open- Air Veranstaltungen wie Konzerte oder Sportveranstaltungen, wo Menschen nah beieinander stehen, können zu einem Gefühl der Enge führen. Typische Situationen, die die diesen Menschen Angst machen sind:

  • Aufenthalt in einem Fahrstuhl
  • ein überfülltes Kaufhaus
  • enge Verkehrsmittel wie U-Bahn, Bus oder Flugzeug
  • Aufenthalt in Räumen wie Kino, Konzertsaal oder Disco

Die Platzangst ist eine spezifische Angststörung, die eine unangemessene Angst vor bestimmten Objekten hervorruft. Zu den spezifischen Phobien gehören auch die Angst vor Spinnen, Hunden oder Blut. Oft geht die Platzangst, oder auch Agoraphobie genannt auch soweit, die Sorge zu haben, bei einer Panikattacke nicht schnell genug fliehen zu können oder im Notfall keine Hilfe zu bekommen. Diese Angst tritt vor allem auf Reisen oder in großen Menschenmengen auf öffentlichen Plätzen, beispielsweise bei einem Open Air Konzert auf, kann aber auch in engen Räumen passieren.

Ursachen

Über die genauen Ursachen der Klaustrophobie gibt es unter den Experten verschiedene Lehrmeinungen. Fakt ist, dass manche Menschen eher zu Platzangst neigen als andere. Meistens kommen immer mehrere Faktoren zusammen.

PlatzangstBei der Suche nach der genauen Ursache ist die lerntheoretische Sicht der meist verbreitete Ansatz. Hierbei gehen die Patienten davon aus, dass die Phobie sich langsam entwickelt. Beispielsweise bekommt ein Mensch in einem Fahrstuhl Schweißausbrüche und bewertet diese als potentielle Gefahr. Diese Angst steigert sich von Mal zu Mal, und wenn ihm dann auch noch etwas zustößt, beispielsweise der voll besetzte Fahrstuhl bleibt stecken, und er wird erst nach zwei Stunden wieder befreit, sieht sich der Patient bestätigt und meidet die Situation in Zukunft, indem er keinen Fahrstuhl mehr betritt.

Andere Wissenschaftler sprechen von neurologischen Aspekten. Sie gehen davon aus, dass das autonome Nervensystem, welches die Funktionen der inneren Organe kontrolliert, bei Angstpatienten seit der Geburt labiler ist als bei anderen Menschen. Auch die Balance der Botenstoffe im Gehirn spielt bei der Entwicklung einer Phobie eine entscheidende Rolle.

Symptome

Während des Aufenthalts in geschlossenen Räumen zeigen die betroffenen Personen Symptome, die auch für andere Phobien typisch sind.

  • starke Angstgefühle bis hin zur Panik
  • Herzklopfen oder Herzrasen
  • Schweißausbrüche
  • beklemmendes Gefühl in der Brust
  • Zittern
  • Übelkeit
  • Angst vor Ersticken
  • Harn- oder Stuhldrang
  • Angst vor Ohnmacht

Menschen mit Platzangst glauben verrückt zu werden, keine Luft zu bekommen oder gar zu sterben, wenn sie nicht sofort aus der für sie beängstigenden Situation fliehen können. Diese Symptome treten nicht nur während der akuten Situation auf, sondern selbst beim Gedanken an einen Fahrstuhl, eine U-Bahn etc.

Therapie gegen Klaustrophobie

Nicht alle Menschen, die von Platzangst betroffen sind, müssen ärztlich behandelt werden denn es gibt einige Patienten, bei denen die Platzangst nur wenig Probleme bereitet. Diese Menschen können ihre Angst leicht überwinden und sich der Situation stellen.

SozialphobieSchränkt die Klaustrophobie jedoch die Lebensqualität stark ein, ist eine Therapie ratsam. Die zur Behandlung von Platzangst am meisten verwendete Therapie ist die Verhaltenstherapie. Dabei bespricht der Therapeut als erstes mit dem Patienten die Ursachen seiner Erkrankung. Bei der Verhaltenstherapie gibt es verschiedene Methoden.

Die kognitive Verhaltenstherapie beschädigt sich mit den Gedanken, die auf die Gefühle des Patienten einwirken. Wird eine Situation von einem Menschen als gefährlich wahrgenommen, hat das Einfluss auf seine Gefühle und er bekommt Angst. Wie eine Situation wahrgenommen wird, hängt beispielsweise von Erfahrungen in der Vergangenheit ab. In der kognitiven Verhaltenstherapie sollen negative Denkmuster verändert werden.

Beim Expositionsverfahren wird der Patient direkt mit der Situation konfrontiert, die ihm Angst macht, beispielsweise mit dem Fahrstuhl. Je nach Behandlungsfortschritt schaut sich der Patient den Fahrstuhl entweder nur an oder er fährt sogar damit, und das so lange, bis er die Angst verliert.

Weitere Therapien

Bei einigen Menschen, die unter Platzangst leiden, helfen auch Entspannungstechniken wie autogenes Training oder die Muskelentspannung nach Jacobson. Sie tragen dazu bei, dass der Patient auch in angstmachenden Situationen Ruhe bewahrt. Dies ist allerdings ein langwieriger Prozess.

In Selbsthilfegruppen für Menschen mit Platzangst können Angstpatienten sich mit anderen Betroffenen austauschen und sich gegenseitig unterstützen.

Bei sehr großer Platzangst verschreibt der Arzt Beruhigungsmittel, die allerdings nur kurzfristig eingenommen werden dürfen, da ansonsten die Gefahr einer Abhängigkeit besteht. Tritt die Platzangst als Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung wie der Agoraphobie auf, werden teilweise auch Antidepressiva verschrieben.

Eine weitere Therapiemöglichkeit ist die Psychotherapie. Der Patient soll gemeinsam mit dem Therapeuten herausfinden, ob ein ungelöster innerer Konflikt seine Platzangst verursacht. Dem Patienten sollen Wege aufgezeigt werden, dieses Problem zu bewältigen oder besser damit umzugehen.

Vorbeugen

Direkte Präventionsmaßnahmen gegen Klaustrophobie gibt es nicht. Wer jedoch merkt, dass ein Angstgefühl beim Aufenthalt in engen oder überfüllten Räumen wie dem Fahrstuhl, der U-Bahn oder einem Kaufhaus aufsteigt und von Mal zu Mal stärker wird, sollte sich rechtzeitig an einen Arzt oder einen Therapeuten wenden. Je früher mit der Behandlung begonnen wird, umso mehr steigen die Chancen die Angst in den Griff zu bekommen und dadurch die Lebensqualität wieder zu verbessern. Niemand muss sich für seine Angststörung schämen. Mit der frühzeitigen Behandlung bleibt dem Patienten ein langer unnötiger Leidensweg erspart.


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